Warum demokratie.services mit 30 politischen Forderungen arbeitet

Die Auswertung von demokratie.services dient nicht dazu, vorherzusagen, wie ein Mensch künftig über andere oder noch unbekannte Themen abstimmen wird. Gemessen wird ausschließlich die Übereinstimmung bei den politischen Zielen, die tatsächlich zur Bewertung vorliegen.

Der entscheidende Unterschied:
demokratie.services versucht nicht zu erraten, was eine Person denkt. Gruppenmitglieder und mögliche Repräsentanten bewerten dieselben konkreten Forderungen. Verglichen werden anschließend diese tatsächlich abgegebenen Bewertungen.

1. Die politischen Ziele entstehen aus dem Forderungsbestand

Der Forderungsbestand ist nicht einfach ein unveränderlicher Fragebogen. Teilnehmer können neue Forderungen einstellen. Wenn eine vorhandene Forderung inhaltlich oder sprachlich nicht überzeugt, kann eine bessere, präzisere oder anders formulierte Fassung als neue Forderung eingebracht werden.

Über die Positionsbewertung mit den dafür vorgesehenen Pfeilen wird anschließend mitbestimmt, welche Forderungen höher eingeordnet werden. Dadurch entwickelt sich der relevante Forderungsbestand innerhalb der Gruppe weiter.

Die für die Auswertung maßgeblichen Forderungen sind damit nicht bloß vom Betreiber vorgegebene Fragen, sondern das Ergebnis eines fortlaufenden inhaltlichen Auswahl- und Bewertungsprozesses.

2. Warum 30 Forderungen?

Eine sehr kleine Zahl von Forderungen würde einzelnen Themen ein sehr großes Gewicht geben. Bei 30 gleichgewichteten Forderungen entspricht eine einzelne Forderung nur einem Dreißigstel des betrachteten Forderungsbestandes.

Gewicht einer einzelnen Forderung bei 30 gleichgewichteten Forderungen:
1 ÷ 30 = 3,33 %

Damit kann eine einzelne Sachfrage das Gesamtbild deutlich weniger bestimmen als bei einem Vergleich, der nur auf wenigen Fragen beruht. Gleichzeitig bleiben 30 Forderungen noch in einem Umfang, den Teilnehmer vollständig bewerten können.

Die Zahl 30 ist keine behauptete naturwissenschaftliche Grenze. Sie ist eine bewusste Verfahrensentscheidung: Der Forderungsbestand soll breit genug sein, um nicht von wenigen Einzelthemen abhängig zu werden, gleichzeitig aber klein genug bleiben, damit eine vollständige Bewertung praktisch möglich ist.

3. Mathematische Differenzierung

Für jede Forderung sind drei politische Bewertungen möglich: Zustimmung (+1), Enthaltung (0) oder Ablehnung (-1).

Theoretisch mögliche vollständige Antwortmuster:
330 = 205.891.132.094.649

Diese Zahl bedeutet nicht, dass es tatsächlich über 205 Billionen unabhängige politische Weltanschauungen gibt. Politische Positionen können miteinander zusammenhängen, und viele theoretische Kombinationen werden in der Praxis kaum oder nie auftreten.

Die Zahl zeigt jedoch, dass ein vollständiger Vergleich über 30 einzeln bewertete Forderungen wesentlich differenzierter ist als eine einzige Personenwahl oder die Bewertung nur weniger Einzelfragen.

4. G-ID und Repräsentantenfindung

Eine G-ID schafft einen eigenen, nicht ortsgebundenen Meinungsraum für eine Gruppe. Die Teilnehmer bewerten dort dieselben politischen Forderungen. Auch mögliche Repräsentanten können diesen Forderungsbestand bewerten.

Danach muss nicht prognostiziert werden, wie ein Kandidat möglicherweise denken könnte. Seine Positionen zu den maßgeblichen Sachfragen liegen bereits vor und können unmittelbar mit den politischen Zielen der Gruppe verglichen werden.

So kann festgestellt werden, welche Person bei diesen konkreten politischen Zielen die größte inhaltliche Übereinstimmung mit der Gruppe aufweist.

5. Was das Ergebnis aussagt – und was nicht

Der berechnete Übereinstimmungswert beschreibt ausschließlich die inhaltliche Übereinstimmung bei den tatsächlich bewerteten politischen Forderungen.

Er ist keine Aussage über Charakter, Zuverlässigkeit, persönliche Eignung oder zukünftiges Verhalten einer Person. Ebenso ersetzt er keine rechtlich oder organisatorisch erforderliche Wahl.

Die zentrale Frage lautet deshalb nicht:
„Wie wird diese Person in Zukunft vermutlich entscheiden?“

Sondern:
„Welche Person stimmt bei den politischen Zielen, die diese Gruppe tatsächlich bewertet hat, am stärksten mit der Gruppe überein?“

Zusammenfassung

Die 30 Forderungen bilden einen überschaubaren, aber ausreichend breiten gemeinsamen Vergleichsraum. Die Teilnehmer wirken nicht nur durch Zustimmung, Ablehnung oder Enthaltung mit, sondern auch durch das Einbringen verbesserter Forderungen und durch deren Positionsbewertung.

demokratie.services verbindet damit drei Schritte: Die Gruppe entwickelt ihren Forderungsbestand, bestimmt dessen Rang und bewertet anschließend die maßgeblichen politischen Ziele. Mögliche Repräsentanten können an genau demselben Bestand gemessen werden.

Das Ergebnis ist keine Vorhersage, sondern ein unmittelbarer Vergleich tatsächlich abgegebener politischer Positionen.