demokratie.services ist ein weltweit nutzbares Infrastrukturprojekt zur Unterstützung demokratischer Willensbildung. Es ist selbst keine politische Organisation und gibt keine politische Richtung vor. Bestehende Gruppen, Parteien, Verbände und Initiativen können die Infrastruktur für ihre eigene Willensbildung und für die Ermittlung inhaltlich passender Repräsentanten oder Kandidaten nutzen.
Grundlage sind einzelne politische Forderungen. Jeder Nutzer kann einer Forderung zustimmen, sie ablehnen oder sich enthalten. Wer nur weiterblättert, gibt keine Bewertung ab.
Politische Bewertungen werden in getrennten Räumen ausgewertet. Es gibt den staatlichen Bereich, örtliche Bereiche und nicht öffentlich auffindbare G-ID-Räume. Die Ergebnisse dieser Bereiche werden nicht miteinander vermischt.
Lesen ist nicht auf wenige Orte beschränkt. Ein Nutzer kann sich Beiträge verschiedener Orte ansehen. Für örtliche Beiträge wird anhand ihres geografischen Veröffentlichungsbereichs bestimmt, an welchen Leseorten sie erscheinen.
Für Deutschland steht zusätzlich ein politisch neutral zusammengestellter Grunddatenbestand zur Verfügung. Auf Bundesebene enthält er politische Forderungen, die aus den Programmen aller 29 Parteien gewonnen wurden, die an der Bundestagswahl teilgenommen haben. Parteiphrasen und Mehrfachformulierungen wurden dabei soweit wie möglich auf einzelne politische Ziele zurückgeführt. Die Aufnahme in den Grunddatenbestand ist keine Bewertung der jeweiligen Forderung.
Der Grunddatenbestand ermöglicht eine erste Einschätzung, wie die eigenen politischen Vorstellungen zu den Bewertungen anderer Teilnehmer passen. Gruppen können darüber hinaus eigene Forderungen einbringen.
Neue Forderungen können im Bereich Schreiben eingestellt werden. Pro Gerät können höchstens zwei neue Forderungen pro Tag veröffentlicht werden. Neue regionale Forderungen erhalten zunächst eine Schonfrist von 56 Tagen. Während dieser Zeit können sie bereits gelesen und bewertet werden, gehören aber noch nicht zum regulären Auswertungsbestand.
Neue Forderungen werden nicht vor ihrer Veröffentlichung redaktionell oder politisch geprüft. Für unzulässige oder problematische Inhalte gibt es eine Meldefunktion; ergänzend gelten die Nutzungsbedingungen.
Zustimmen, Ablehnen und Enthalten bilden die politische Bewertung einer Forderung. Davon getrennt gibt es pos + und pos -. Diese Positionsbewertung beeinflusst die Reihenfolge der Beiträge, nicht die politische Zustimmung zu ihnen.
Eine Forderung kann deshalb politisch abgelehnt und trotzdem als besonders wichtig angesehen werden. Umgekehrt kann man einer Forderung zustimmen, ohne ihr eine hohe Position zu geben.
Die Reihenfolge der auswertbaren Beiträge wird aus den Positionsbewertungen bestimmt. Neue Beiträge befinden sich zunächst in der Schonfrist. Nach deren Ende können sie entsprechend ihrer Position in die reguläre Reihenfolge gelangen. Für die tägliche persönliche Übereinstimmungsberechnung werden daraus 30 Auswertungsbeiträge verwendet.
Ein Teilnehmer ist für diese Auswertung nur dann vollständig bewertbar, wenn er alle 30 aktuellen Auswertungsbeiträge mit Zustimmung, Ablehnung oder Enthaltung bewertet hat. Bloßes Weiterblättern zählt nicht als Bewertung.
Mindestens 30 Prozent der vollständig teilnehmenden Geräte müssen bei einer Forderung eine eindeutige politische Bewertung – Zustimmung oder Ablehnung – abgegeben haben. Erst dann wird diese Forderung in die eigentliche Prozentberechnung einbezogen. Enthaltungen zählen zur vollständigen Teilnahme, aber nicht zu dieser Mindestzahl eindeutiger Bewertungen.
Für eine Auswertung müssen außerdem mindestens zehn auswertbare Teilnehmer vorhanden sein. Die genaue Berechnungsformel wird auf der Seite „So berechnen wir“ beschrieben.
Bei eigener Zustimmung wird für die betreffende Forderung der Zustimmungsanteil, bei eigener Ablehnung der Ablehnungsanteil berücksichtigt. Eine eigene Enthaltung wird mit 50 Prozent angesetzt. Aus allen tatsächlich berücksichtigten Forderungen wird anschließend der arithmetische Mittelwert gebildet. Jede einbezogene Forderung hat dabei dasselbe Gewicht.
Das Ergebnis beschreibt ausschließlich die inhaltliche politische Übereinstimmung. Es ist keine Bewertung der persönlichen, fachlichen oder charakterlichen Eignung eines Menschen.
Mit der Schaltfläche G-ID kann direkt in der Anwendung eine neue G-ID erzeugt werden. Sie muss nicht beantragt oder von einer anderen Stelle zugeteilt werden. Wer dieselbe G-ID verwendet, gelangt in denselben nicht öffentlich auffindbaren Meinungsraum.
Dort können beispielsweise Mitglieder eines Vereins, einer Partei, einer Wählergruppe oder einer anderen bestehenden Gruppe eigene Forderungen einbringen und bewerten. Dadurch wird sichtbar, welche politischen Ziele innerhalb dieser Gruppe die größte gemeinsame Unterstützung finden.
Mögliche Repräsentanten oder Kandidaten können dieselben Forderungen ebenfalls selbst bewerten. Anschließend lässt sich ihre inhaltliche Übereinstimmung mit den gemeinsam ermittelten politischen Vorstellungen der Gruppe berechnen. demokratie.services wählt diese Personen nicht aus und ersetzt keine formale Wahl oder Kandidatenaufstellung.
Für G-ID-Räume gilt die achtmonatige Wartezeit neuer Geräte nicht. Die übrigen Sperrfristen für Änderungen bleiben bestehen. Zwischen G-ID-Prüfungen liegt außerdem eine technische Wartezeit von sieben Sekunden, um systematisches Durchprobieren von G-IDs zu erschweren.
Für die normale Nutzung sind weder Name noch E-Mail-Adresse noch ein klassisches Benutzerkonto erforderlich. Beim ersten Start erzeugt die Anwendung eine zufällige Geräte-ID und speichert sie lokal. Sie ist kein Cookie und wird nicht durch Browser- oder Geräte-Fingerprinting aus Eigenschaften des Nutzers, Browsers oder Gerätes ermittelt.
Auf dem Server wird die übermittelte Geräte-ID mit einem geheimen serverseitigen Schlüssel pseudonymisiert. Damit kann dasselbe Gerät wiedererkannt werden, ohne dafür ein persönliches Benutzerkonto zu führen. Das ermöglicht den Schutz vor mehrfachen Bewertungen derselben Forderung und die Durchsetzung der Sperrfristen.
In staatlichen und örtlichen Bereichen darf ein neues Gerät sofort abstimmen. Für die Auswertung wird es jedoch erst berücksichtigt, wenn seine Gerätekennung seit mindestens acht Monaten registriert ist. Für G-ID-Räume gilt diese Wartezeit nicht.
Eine bereits abgegebene politische Bewertung kann nach sechs Monaten geändert werden. Nach einer Änderung beginnt erneut eine sechsmonatige Sperrfrist. Für Positionsbewertungen gilt ebenfalls eine sechsmonatige Änderungssperre.
Bewertungen werden gespeichert, aber Änderungen der täglichen Auswertung werden nicht fortlaufend in jeder Sekunde neu berechnet. Der Wechsel erfolgt täglich um 0:00 Uhr beziehungsweise beim ersten relevanten Aufruf danach. Dabei werden die für den neuen Tagesstand notwendigen Auswertungen und Positionsänderungen verarbeitet.
Ein gemeldeter Beitrag wird sofort als gemeldet gekennzeichnet. Bis zum nächsten täglichen Wechsel bleibt der bestehende Auswertungsstand erhalten. Beim täglichen Wechsel wird der gemeldete Beitrag entfernt.
Wer eine Meldung absendet, kann das betreffende Gerät anschließend für 72 Stunden nicht nutzen. Diese Sperre soll taktische Meldungen erschweren.
Ein staatlicher, örtlicher oder G-ID-Raum enthält höchstens 3500 Beiträge. Wird bei bereits 3500 vorhandenen Beiträgen ein neuer Beitrag aufgenommen, wird der Beitrag mit dem schlechtesten Sortierplatz entfernt. Haben mehrere Beiträge denselben schlechtesten Platz, wird der ältere entfernt.
Die Anwendung entscheidet nicht, welche politische Meinung richtig oder falsch ist. Sie vergibt keine zusätzliche politische Macht aufgrund von Bekanntheit, Vermögen, Stellung oder Organisationszugehörigkeit. Sie ist weder ein staatliches Wahlorgan noch eine repräsentative Bevölkerungsumfrage.
Ihr Zweck ist begrenzter: einzelne politische Forderungen gleichberechtigt bewertbar zu machen, gemeinsame politische Ziele sichtbar zu machen und die inhaltliche Übereinstimmung zwischen Teilnehmern beziehungsweise möglichen Repräsentanten und diesen gemeinsam ermittelten Zielen nachvollziehbar zu berechnen.